Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Daniel Anhut

Auf Monsterjagd

Diese verlassene Papiermühle wurde von dem großartigen Graffiti-Künstler Kim Köster in ein Zuhause für ein Heerschar kleiner und großer Monster verwandelt. Vor einer Zeit war ich dort und ging auf die Monsterjagd. Aber auch abseits der Monster gab es spannende Motive und andere Kunstwerke auf dem Areal zu entdecken.

Schon von weitem sieht man den markantesten Bau der Anlage, den hohen Wasserturm. Auf dem Areal befinden sich verschiedene Gebäude und in den meisten lassen sich einzelne oder mehrere Monster finden. Die Wasserseite bietet zudem einige wunderschöne Außenansichten und Motive.

Die Königliche Papiermühle bei Heegermühle aus dem Jahr 1728 wurde nach der Zerstörung im Siebenjährigen Krieg auf das heutige Areal verlegt. Danach wurde die Anlage immer wieder ausgebaut und modernisiert. So wurde sie ab Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer modernen Papierfabrik weiterentwickelt und konnte 1834 bereits die industrielle Produktion von Papier aufnehmen. Statt Wasserkraft wurde nun Dampfkraft genutzt. 1928/29 wurde eine neue Produktionshalle errichtet und bot ausreichend Platz die modernste Papiermaschine der Welt.

Auch in der DDR Zeit wurde die Fabrik weiter genutzt und stellte vor allem handgeschöpftes Büttenpapier der besten Qualität für die Beschaffung von Devisen her. Nach der Wiedervereinigung wurde das Werk privatisiert, aber bereits nach zwei Jahren musste Konkurs angemeldet werden. Das war das Ende des Traditionsbetriebs, der weit über zwei Jahrhunderte lang Kriege und Krisen überstand, dabei immer auf der Höhe der Technik blieb und dann aber in nur zwei Jahren an Marktwirtschaft und Globalisierung scheiterte. 

Nach all den historischen Fakten geht es jetzt endlich auf Monsterjagd. Leider habe ich nicht alle Monster gefunden, da einige wohl wirklich sehr gut versteckt und auch einige Gebäude nicht mehr zugänglich sind. Ebenso waren einige Monster bereits durch abfallenden Putz und abblätternden Farben kaum noch sichtbar. Hier kommt eine Auswahl von einigen der süßen Monster. 

Wie anfangs geschrieben, habe ich nicht nur Monster gefunden, sondern auch zahlreiche andere Kunstwerke. Ebenso schien ein Teil der Anlage damals von einigen Menschen zumindest zeitweise als Wohn- und Partylocation genutzt zu werden, auch eine Spendenbox für Kulturbeiträge und zahlreiche Farbsprühdosen zeugten von aktiver "Kulturarbeit" vor Ort. 

Insgesamt war es eine tolle und abwechslungsreiche Location mit unzähligen Motiven, ich hatte immer vor, nochmal auf die Jagd nach den fehlenden Monstern zu gehen, aber irgendwie kam es bisher nie dazu. Vielleicht gibt es ja nochmal eine Möglichkeit.