Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Daniel Anhut

Die Fleischfabrik

Es ist schon eine Weile her, seitdem ich die Räume dieser ehemaligen Wurst- und Fleischwarenfabrik erkundet habe. Wie an dem ersten Bild schon zu erahnen, wurde sie nach Schließung vor allem von Künstlern genutzt. Neben dieser Raum-Installation fand man vor allem zahlreiche Kunstwerke von internationalen Street Art Künstlern wie z.B. Adnate, Dscreet, Kim Köster und Plotbot KEN auf dem riesigen Gelände.

Schon auf dem Hof wurde man neben spannenden Fassaden von einer Vielzahl für Kunstwerken empfangen. Das Gelände bestand aus zahlreichen Gebäuden. Neben der bereits genannten Fleischverarbeitung, gab es noch eine Bäckerei, ein Heizhaus und einen Bereich für Verwaltung, Schulung, Labore und Angestellte.

Da allein in dem Hauptgebäude unzählige Kunstwerke zu finden waren, poste ich hier nur eine sehr kleine Auswahl, um eine Eindruck zu verschaffen. Neben Motiven, die Wände "einfach" als Leinwand nutzten, gab es auch viele Kunstwerke, die direkt ihre Umgebung einbezogen oder in einen Kontext mit ihr gebracht wurden. Man musste schon sehr aufmerksam durch die Räume streifen, um auch nicht die versteckteren Kunstwerke zu übersehen. Sicherlich ist mir trotzdem so einiges entgangen, allein aufgrund der schieren Größe und Unübersichtlichkeit einiger Gebäude.

Sicherlich am bekanntesten und defintiv nicht zu übersehen, war das große Werk von Plotbot KEN im Heizhaus. In dem schummerigen Licht, dass dank des zum Teil farbigen Fensterglases entstand, entfaltete es eine ganz besondere Wirkung.

Aber auch neben der Kunst gab es zahlreiche spannende Motive dank des oft tollen Lichts und den Zeichen von Zerfall. Auch haben Vandalismus und einige sicherlich nicht offizielle Partys ihre Spuren in den Gebäuden hinterlassen.

Auch von den Produktionsanlagen und Maschinen hatten viele noch überlebt und man konnte einen Eindruck der Produktionskapazitäten gewinnen. Der typische schwere Rauchgeruch von geräucherten Fleischwaren hing in den Bereichen mit den Räucheröfen noch in der Luft. So hatte man hatte nicht den Eindruck, dass die Produktion zu diesem Zeitpunkt bereits schon über 20 Jahre still lag.

In den Verwaltungs- und Mitarbeiterräumen gab es ebenso noch zahlreiche Überbleibsel zu entdecken, von Werkskleidung, über alte Produktpackungen, Geräten bis hin zu Akten. Wie an ähnlichen Orten, war ich auch hier über den Umgang mit dem Datenschutz verwundert. Wieso die Akten (vor allem Personalakten mit kompletten Datensätzen) zumindest nicht vernichtet werden, erschließt sich mir einfach nicht. Die Produktion wird stillgelegt, die Gebäude werden verlassen, aber unzählige Akten bleiben einfach zurück.

Der Tag in der Fabrik war insgesamt sehr spannend und vor allem mein Interesse an Street Art wurde geweckt. Bis zum diesem Besuch hatte ich mich nur wenig mit dieser Kunstform beschäftigt, vor allem da es in Berlin oft schwer ist, zwischen all den Schmierereien tatsächliche Kunstwerke zu entdecken und ich zumindest daher nicht danach gesucht habe. Seitdem achte ich jedoch mehr darauf und ja, man findet doch viele schöne Arbeiten im urbanen Raum.

Meines Wissens nach sind die Gebäude mittlerweile verkauft und wurden auch bereits schon zum Teil saniert. Eine Besichtigung ist daher wohl offiziell nicht mehr möglich, zudem werden wohl auch zumindest einige der Kunstwerke verschwunden sein. Wer aktuellere Informationen hat, kann mir diese gerne zu kommen lassen.