Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Daniel Anhut

Unter dem Radom

Eine Location, die ich bereits öfters besucht habe, ist die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg. Nicht nur dieser Ort ist ein echtes Highlight, auch die Aussicht auf Berlin und die Wälder der Umgebung ist einfach großartig. Ich werde die Bilder von meinen Besuchen bis Herbst 2015 jetzt mal nach und nach in zumindest zwei Blogbeiträgen zeigen.

Schon gleich am Eingang war es ersichtlich, das dieses Areal immer wieder von zahlreichen Streetart Künstlern besucht wurde, vor allem Plotbot KEN war dort sehr aktiv und es gab einige seiner Kunstwerke zu sehen. Zuletzt gab es im März 2015 ein großes Event, bei dem Künstler aus aller Welt die verschiedenen Flächen des Areals mit ihren Werken neu gestaltet haben. Aber auch vorher, sah es bei jedem Besuch an vielen Stellen immer wieder anders aus, die Abhörstation als lebendiges Kunstwerk.

Auf dem Gelände war auch eine Fläche mit kleinen Mauern zu finden, die immer wieder neu gestaltet wurden. Für mich war es immer wie der Besuch in einer Galerie, man war gespannt, was diesmal ausgestellt wird. Vor allem bei meinem ersten Besuch hatte ich jedoch die Streetart für mich als Thema noch nicht entdeckt und habe daher auch nicht alles festgehalten.

Beeindruckend fand ich jedes Mal vor allem das riesige Werk ("The Cycle") von Alaniz in der Kuppel auf dem Turm. Ohne eine perfekte 360° Aufnahme ist es nur schwer, dieses Werk und die Wirkung auf einem Foto zu transportieren. Wer mal dort ist und die Möglichkeit hat, sollte sich das Werk auf jeden Fall selbst anschauen. Ich hoffe doch sehr, dass es noch existiert und auch der Turm wieder zugänglich ist. Es ist jedoch sehr anstrengend, finde ich zumindest, wenn man nicht allein in der Kuppel ist, da jedes Geräusch zigfach verstärkt wird und selbst leises Laufen oder das Klicken des Kameraspiegels auf Dauer schnell unangenehm werden.

Die Radarkuppeln (auch Radome genannt, zusammengesetzt aus Radar Dome) sind neben dem hohen Radarturm sicherlich am prägnantesten für die Kulisse der Abhöranlage. Ich habe unzählige spannende Perspektiven und Aussichtspunkte beim Streifen über das Gelände gefunden, je nach Tages- und Jahreszeit boten sie tolle und sehr unterschiedliche Motive. Es lohnt sich daher, falls möglich, etwas länger dort zu sein und z.B. den Sonnenuntergang mitzunehmen.

Vor allem im Abendlicht gibt es beeindruckende Licht- und Schattenspiele zu beobachten. Ebenso schön ist der Blick auf das pulsierende Berlin von diesem ruhigen Ort aus. Außer dem Wind ist kaum etwas zu hören, der Stress der Großstadt bleibt angenehm fern.

Bei einem Besuch haben wir auch ein Wildschwein getroffen, zumindest nehme ich an, es war ein Wildschwein und keine andere Sorte von verwilderten Schwein. Ziemlich unbeeindruckt von uns lief es umher und legte sich auch einmal zwischen einige Pflanzen um fotogen zu dösen.

Im Herbst 2015 kam es zu einem Wechsel des Betreibers und es war lange unklar, ob und wann Zugang zu dem Gelände wieder möglich ist. Mittlerweile werden wieder Touren angeboten. Ich werde sicherlich mal wieder vorbeischauen, zum einen um die tolle Aussicht zu genießen, aber auch um zu sehen, was sich alles auf dem Gelände verändert hat.