Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Daniel Anhut

THF - Alle Flüge gestrichen

Bereits als Kind habe ich den Flughafen Tempelhof kennengelernt und er war schon damals aufgrund seiner gigantischen Dimensionen ein beeindruckendes Erlebnis. 2008 wurde endgültig der Flughafenbetrieb eingestellt und der Flughafen wird seitdem für neue Zwecke genutzt. Bei einer Besichtigung im Jahre 2014 hatte ich die Möglichkeit, den Flughafen menschenleer fotografisch festzuhalten.

Der Weg von einem kleinen Flugplatz auf dem Tempelhofer Feld hin zum Zentralflughafens Berlins und dem zeitweise flächengrößten Gebäude der Welt war relativ kurz. Der erste Flugbetrieb wurde 1923 aufgenommen, der ursprüngliche Flughafen bestand zu diesem Zeitpunkt aus hölzernen Flugzeughallen und einem Stationsgebäude. 1924 begann der Bau neuer Gebäude, über mehrere Baustufen erfolgte der Ausbau bis zum heute noch bestehenden Flughafengebäudes im Jahre 1941. Der Flughafen lag zu diesem Zeitpunkt längst der Spitze der europäischen Flughäfen, gemessen am Verkehrsaufkommen.

Die neuen Gebäude verbanden die städtebaulichen Vorstellungen für die wachsende Stadt und die monumentale Architektur des Nationalsozialismus. Der Flughafen wurde zukunftsorientiert geplant und gilt als einer der ersten modernen Großflughäfen. Die damals bereits berücksichtigten Sekundärfunktionen, wie U-Bahn Anschluss, Hotel, Kongresszentrum und Großrestaurant, waren zu diesem Zeitpunkt einmalig auf der Welt. So wurde er Vorbild für viele folgende Flughafenbauten. Spätestens durch seine Rolle während der Berliner Luftbrücke wurde er auch endgültig ein fester Teil der Geschichte Berlins.

Die riesige Abfertigungshalle einmal menschenleer, abgesehen von anderen Fotografen zu erleben, war ein beeindruckendes Erlebnis, ebenso spannend wie die Douglas Skymaster auf dem Rollfeld. Dieses Flugzeug ist einer der legendären Rosinenbomber und eine Erinnerung an die Berliner Geschichte. Auf dem Vorfeld kann man dann auch die Länge des Gebäudes, ca. 1,2km eindrücklich wahrnehmen. Ohne ein gutes Weitwinkelobjektiv wäre man auf der gesamten Anlage ziemlich aufgeschmissen, zum Glück hatte ich eins dabei und konnte so die riesigen Dimensionen festhalten.

Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm die US Armee den Flughafen und hinterließ auch nach Abzug ihre Spuren. Sie nutzten den Flughafen zunächst als Militärstützpunkt, später dann auch als zivilen Flughafen zunächst nur unter US Verwaltung. So nutzten die "Berlin Braves", das Basketball-Team der US Armee in Berlin, die Sporthalle zum Trainieren, ebenso richtete die Armee eine Bowlingbahn ein. Nach Abzug der US Armee blieben viele ihrer Räume ungenutzt.

Auch unter der Erde gibt es in Tempelhof viel sehenswertes, wie zum Beispiel den Luftschutzbunker, mit zahlreichen Motiven und Sprüchen des berühmten Künstlers Heinrich Zille "dekoriert". Interessant ist auch ein ehemaliger Bunker, in dem Filme gelagert wurden. Dieser brannte bei der Eroberung der Anlage durch die Sowjetarmee komplett aus und alle Filme wurden durch die Flammen vernichtet. Der tagelange Brand, Ruß und die hohen Temperaturen führten zu einer starken Beschädigung aller Wände. Auf dem Ruß hinterließen seitdem unzählige Menschen ihren Namen oder anderes.

Insgesamt war die Besichtigung ein tolles Erlebnis, auch wenn die schiere Größe und die Anzahl der sehenswerten Räume selbst für eine mehrstündige Begehung viel zu groß ist. Am liebsten würde ich die Möglichkeit bekommen, in Ruhe und mit viel Zeit das Gebäude zu erkunden und fotografisch festzuhalten. Aber auch mit der Ausbeute aus diesem Besuch bin ich sehr zufrieden. Eine Auswahl der besten Bilder hat es auch bereits in eine Ausstellung geschafft und wird auch zukünftig hoffentlich erneut an einer Wand zu sehen sein.