Man muß sich beeilen, wenn man etwas sehen will, alles verschwindet. (Paul Cezanne)

Daniel Anhut

Fin

Schon einige Zeit ist es her, als ich dieses verlassene Wohnhaus besucht habe. Aus verschiedenen Gründen ist mir der Besuch gut in Erinnerung geblieben. Zum einen sind das natürlich die Fotografien, vor allem die Bilder des Klaviers im Wohnzimmer gefallen mir immer noch sehr, zum anderen waren es sehr persönliche Eindrücke.

Das Haus gehörte einem Paar, das bereits vor Jahrzehnten verstorben sind. Hinter dem Haus befand sich ein kleines Kino, daher wird die Location auch oft als "Haus des Filmvorführers" bezeichnet. Das Kino ist wohl schon Jahre zuvor eingestürzt und war bei meinem Besuch nicht mehr gefahrlos zu erreichen. Den Zugang durch einen kleinen Kellerschacht wollte ich mir jedenfalls nicht antun. Auch das oberste Stockwerk, vor allem der Boden dort, war schon in einem ziemlich desolaten Zustand.

Nachdem die beiden letzten Besitzer das Haus verlassen haben, blieb die Zeit gefühlt stehen. Es war ein unheimliches Gefühl, das Haus zu erforschen und dabei das Leben von Menschen wie hinter einem Schleier zu sehen. So viele Spuren blieben zurück, Kleidungsstücke im Schrank, Küchenutensilien, persönliche Briefe und vieles mehr. Selten habe ich Vergänglichkeit so eindrücklich gespürt. Die Vorstellung, dass Menschen "einfach so" verschwinden und sich niemand mehr um ihre Hinterlassenschaften kümmert, ist eine sehr traurige.

Viele der persönlichen Erinnerungen, Dokumente und Gegenstände habe ich auch nicht fotografisch festgehalten oder durchstöbert, es erschien mir einfach zu privat. Am Ende hatte ich mehr Gedanken im Kopf als Bilder in der Kamera, aber das fühlte sich auch so richtig an. Es war der bisher persönlichste Lost Place, den ich besucht habe und sicherlich auch ein Grund, wieso ich mich immer wieder mit den Themen Zeit und Vergänglichkeit in meinen Fotofrafien auseinander setze.